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Pit Klein
Daten-GAU: Schwere Vorwürfe an die Postbank - massiver Datenmissbrauch?
Die Postbank verstößt nach Ansicht der Stiftung Warentest massiv gegen den Datenschutz. Wie die dort erscheinende Zeitschrift "Finanztest" am Montag berichtete, erlaube das Kreditinstitut Handelsvertretern detaillierten Einblick in Millionen Girokonten ihrer Kunden und wolle damit den Verkauf ihrer Produkte fördern.
Die Postbank verstößt nach Ansicht der Stiftung Warentest massiv gegen den Datenschutz: Wie die dort erscheinende Zeitschrift "Finanztest" am Montag berichtete, erlaubt das Kreditinstitut rund 4.000 freien Mitarbeitern detaillierten Einblick in Millionen Girokonten ihrer Kunden und will damit den Verkauf ihrer Produkte fördern.
Dazu brauchen die Handelsvertreter des Geldhauses den Angaben zufolge lediglich den Namen und das Geburtsdatum von Kunden in eine Unternehmensdatenbank einzugeben. Dann könnten sie nicht nur sehen, wie viel Geld ein Kunde auf dem Konto habe, sie hätten ebenso Einsicht in alle Kontobewegungen, hieß es. Auch wenn der Kontoinhaber der Weitergabe seiner Daten an die freien Mitarbeiter nicht zugestimmt habe, könne der Berater die Kontodaten lesen.
Keine offizielle Stellungnahme - Pressestelle nicht erreichbar
Eine offizielle Stellungnahme der Postbank liegt bislang nicht vor. Die Kundschaft wurde ebenfalls über die vermeintlich illegalen Vorgänge nicht informiert, obwohl die Vorwürfe seit Freitagnachmittag bekannt sind. Im internen Nachrichtensystem sind nach Informationen von magnus.de keine Mitteilungen versandt worden. Auf mehrfache telefonische Anfrage der Redaktion war die Postbank bislang nicht erreichbar. Die zentrale Pressestelle war zwischen 16.20 Uhr und 17.02 offenbar unbesetzt. Dem "Spiegel" sagte ein Unternehmensvertreter am Abend, dass man strafrechtliche Maßnahmen ergreifen wolle, sofern es Verstöße gegeben habe. Eine Weitergabe von Daten geschehe "anlassbezogen unter strengster Beachtung der datenschutzrechtlichen Bestimmungen". Dafür sei keine gesonderte Einwilligung des Kunden erforderlich, da die Datenerhebung, Verarbeitung und Nutzung im Rahmen der Vertragsbeziehung erfolge.
Die Daten sollen laut "Finanztest" freien Mitarbeitern der 2006 gegründeten Postbank Finanzberatung AG bei ihrer Arbeit helfen: Das Vertriebsunternehmen verkauft Produkte der Postbank und der BHW Bausparkasse. Sobald ein höherer Geldbetrag auf einem Konto eingeht, können die Berater nach Angaben der Zeitschrift den Kunden anrufen, um Geldanlagen zu verkaufen.
Prominente betroffen - Kontoauszüge von Springer-Chef
Dem Blatt liegen nach eigenen Angaben Kontodaten und Briefwechsel zahlreicher Personen vor. Darunter seien auch Prominente wie zum Beispiel Axel-Springer-Vorstand Mathias Döpfner, der frühere Präsident von Borussia Dortmund, Gerd Niebaum, oder der Vorstand der Stiftung Warentest, Werner Brinkmann. Sie alle hätten der Weitergabe ihrer Daten laut Dateneintrag nicht zugestimmt, hieß es weiter.
Datenschutzbehörde in Nordrhein-Westfalen hält Einsicht für unzulässig
Die für die Postbank zuständige Datenschutzbehörde in Nordrhein-Westfalen hält es für unzulässig, dass freie Berater der Postbank die Girokonten der Kunden einsehen können - und das gilt offenbar selbst dann, wenn Kunden die Einwilligungserklärung der Postbank zur Weitergabe von Daten unterschrieben hätten. "Finanztest" gab abschließend zwei Tipps, um den Daten-GAU einzudämmen.
- Wer eine Einsicht von Kontodaten verhindern will, soll sich schriftlich an das Unternehmen wenden. Fordern Sie die Postbank auf, die Weitergabe ihrer Daten zu stoppen.
- Kunden können außerdem verlangen, dass ihnen die Postbank Auskunft über gespeicherte und weitergegebene Daten gibt. Bereits erteilte Einwilligungserklärungen sind jederzeit widerrufbar.
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