
Pit Klein
Erneut "Kultur-Flatrate" gegen Raubkopierer gefordert - Plädoyer
Der Urheberrechtskritiker und Jurist Lawrence Lessig wirbt weiter für die europäische Einführung einer umstrittenen "Kultur-Flatrate", mit der über eine monatliche Pauschalabgabe aller Internet-Nutzer die Schäden durch Raubkopien bei Musik, Filmen und Hörbücher für Künstler ausgeglichen werden sollen.
"Eine solche Flatrate würde vor allem den Künstlern zugute kommen, die ja heute an den illegalen Downloads überhaupt nichts verdienen. Gleichzeitig würde das den freien Austausch von Informationen im Netz fördern, was ja die Uridee des Internets ist", sagte der Professor an der Stanford-Universität dem Berliner "Tagesspiegel". Die Zwangsabgabe sei nicht ungerecht, weil urheberrechtlich geschützte Werke öffentliche Güter seien: "Und es liegt in der Natur solcher Güter, dass die Gemeinschaft dafür aufkommen muss, auch wenn Einzelne nichts dafür bezahlen wollen, erklärte Lessig.
Das gegenwärtige Rechtssystem mache "junge Menschen zu Terroristen", sagte der Jurist. "Die Industrie richtet mit der massenhaften Verfolgung von Jugendlichen einen großen gesellschaftlichen Schaden an und erreicht praktisch nichts", kritisierte er. Das Tauschen gehe am Ende weiter, die Industrie konzentriere sich auf die juristische Verfolgung von Piraten, statt in die Entwicklung innovativer Geschäftsmodelle zu investieren. "Die Kosten dieses Krieges sind zu hoch. Wir müssen ihn endlich stoppen!", forderte der Stanford-Professor im "Tagesspiegel".
Lessig sieht durch eine Kultur-Flatrate auch nicht das Ende kostenpflichtiger Musikangebote im Internet gekommen. Kommerzielle Download-Dienste böten eine bessere Auswahl und Verfügbarkeit, eine höhere Qualität und Geschwindigkeit. Außerdem entfalle das Risiko, sich schadhafte Software auf den Rechner zu laden, sagte er. Das Interview ist hier zu finden.
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