
Jens-Ekkehard Bernerth
Horror-Studie belegt: SMS-Tippen am Steuer erhöht Unfallgefahr dramatisch
Obwohl es in Deutschland strikt verboten ist, während der Fahrt ein Handy in die Hand zu nehmen, kümmern sich viele Verkehrsteilnehmer nicht darum – mit teils verheerenden Folgen. Das US-amerikanische Virginia Tech Transportation Instituts (VTTI) stellte am Montag (Ortszeit) eine Studie vor, die herausfand, dass sich die Unfallgefahr durch SMS-Schreiben am Steuer dramatisch erhöht.
Laut Studie sind LKW-Fahrer, die während der Fahrt eine SMS schreiben, um das 23,2-fache mehr Unfall gefährdet als Nicht-Tipper. Für die Forscher ein klares Indiz dafür, dass SMS-Schreiben während der Fahrt verboten gehört. Die Experten fanden heraus, dass die Studienteilnehmer während des Tippens für ein 4,6- bis 6 Sekunden-Intervall nicht mehr auf das Straßengeschehen achteten, währenddessen sie im Schnitt 110 Meter bei einer Geschwindigkeit von 89 km/h zurücklegten.
Zwar gestanden die Forscher ein, das ein LKW einen längeren Bremsweg habe als ein PKW; generell könne jedoch davon ausgegangen werden, dass die Werte auch für PKW gelten. Dies werde allerdings zur Zeit in einer zweiten Studie unter Teenagern erforscht, berichtet die US-amerikanische Zeitung New York Times in ihrer Montagsausgabe. Die bisherigen Ergebnisse sollen sich in einem ähnlichen Bereich bewegen wie die Werte der LKW-Fahrer. Die Studie wird im Laufe des Jahres veröffentlicht, so das Blatt.
Mobiltelefonieren weniger riskant
Recht milde fällt im Vergleich das Wählen einer Telefonnummer aus, die Forscher geben die potenzielle höhere Unfallgefahr mit 2,8 an. Bei einem LKW-Fahrer ist der Wert fast doppelt so hoch, hier liegt die potenzielle Gefahr eines Unfalls beziehungsweise eines Beinahe-Crashs um das 5,9-fache höher als wenn der Fahrer nicht abgelenkt werden würde. Während des Telefonierens liegt die Gefahrenquote im PKW um das 1,9-, im LKW um 1,0-fache höher. Das Greifen nach Gegenständen im Auto hebt die Unfallgefahr im Auto um das 1,4-fache, im Truck um das 6,7-fache.
Die Forscher weisen außerdem darauf hin, dass Telefonieren während der Fahrt bei Weitem nicht so risikoreich sei wie das Fahren unter Wirkung von Alkohol, womit sie anderen Studien widersprechen, die Telefonieren während der Fahrt auf eine Stufe mit Alkohol am Steuer gestellt haben. Der VTTI-Direktor Tom Dingus hofft, mit der Studie „Leben retten zu können“ und ein generelles Umdenken bei seinen Landsleuten und den Gesetzgebern zu bewirken.
Studie basiert auf realen Bedingungen
Die Studie, die insgesamt sechs Millionen US-Dollar kostete, wurde nach Angaben des Instituts unter realen Bedingungen durchgeführt. In den Autos und LKW der Teilnehmer wurden Kameras angebracht, die die Fahrer 18 Monate lang während der Fahrt filmten. Zudem wurden die Blickkontakte der Probanden erfasst und ausgewertet, wenn sie beispielsweise eine Nachricht schrieben, eine Nummer wählten oder telefonierten. Insgesamt legten die Studienfahrzeuge 4, 8 Millionen Kilometer zurück. Ein Simulator kam nicht zum Einsatz.
40 Euro und ein Punkt in Flensburg
In Deutschland ist es generell verboten, während der Fahrt ein Handy in der Hand zu halten. Die Strafe beträgt 40 Euro Bußgeld und es gibt einen Punkt in der Flensburger Verkehrssünderkartei. Zudem wird ein Nichtbeachten als vorsätzliches Vergehen gewertet. Wer ohne Strafe im Auto telefonieren möchte, muss rechts ranfahren und den Motor abstellen.
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