
Ulrich Klein
Kinderpornos: Neue Vorwürfe belasten Tauss schwer - Politiker widerspricht
Der wegen Kinderpornografie angeschuldigte Bundestagsabgeordnete Jörg Tauss wird nach Recherchen des ARD-Magazins "Report Mainz" durch bisher unveröffentlichte Ermittlungsergebnisse schwer belastet. Wie der federführende Südwestrundfunk (SWR) am Dienstag vorab aus seiner erst im Oktober ausgestrahlten Sendung mitteilte, soll der Politiker laut Zeugen gezielt nach Kinderpornos mit Jungen verlangt haben.
Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe sieht die Behauptung des früheren SPD-Politikers, er habe sich kinderpornografische Bilder und Videos lediglich aus Recherchegründen in seiner Eigenschaft als Internet-Experte seiner Fraktion besorgt, durch die Ermittlungen eindeutig widerlegt. Die Anklageschrift, die "Report Mainz" nach eigenen Angaben vorliegt, listet im Einzelnen sieben Untersuchungsergebnisse auf, die Tauss’ Aussagen widersprechen. Die Karlsruher Staatsanwaltschaft sieht es daher als erwiesen an, dass sich der Bundestagsabgeordnete das illegale Material beschaffte, um sich damit sexuell anzuregen.
Auf Anfrage des TV-Magazins wies Tauss die Vorwürfe zurück und stellt die geringe Datenmenge des Materials heraus. Es habe sich bei den gefundenen Bildern und Videos lediglich um etwa 35 Megabyte gehandelt. Tauss wörtlich: "Ich kenne das Material aber nicht einmal im Detail, da ich es in Briefmarkengröße und im Gegensatz zur Auffassung der Staatsanwaltschaft zum Zweck verwendete, mir einen Überblick über die Szene zu verschaffen, nicht aber zur sexuellen Befriedigung".
Bei den gefundenen Dateien handle es sich laut Anklageschrift um Kinderpornografie mit Darstellungen von Oral- und Analverkehr sowie anderen sexuellen Vorgängen mit Kindern und Jugendlichen. Die Ermittler schätzen das Alter der Kinder in vielen Fällen auf sechs Jahre, in einem Fall sogar nur auf ein bis zwei Jahre. Laut Anklageschrift sprechen die Fundorte der sichergestellten drei DVDs und des Handys mit den verbotenen kinderpornografischen Dateien in Tauss’ Berliner Wohnung für eine private Nutzung: Die Ermittler hätten zwei DVDs in einem Regal hinter Büchern versteckt gefunden. Eine weitere DVD befand sich in der Innentasche eines Jacketts, das in einem Kleiderschrank im Schlafzimmer hing. Das Handy habe Tauss ebenfalls im Schlafzimmer in einem Koffer aufbewahrt. Tauss sagte gegenüber "Report Mainz", es habe sich um seine Dienstwohnung gehandelt: "Welche Rückschlüsse die Auffindeorte zulassen, überlasse ich getrost gegebenenfalls einem Richter." Die Indizien seien "durchaus ambivalent".
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