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Newsredaktion Golem

14. März 2008
Oberbürgermeister Ude wendet sich an Wirtschaftsminister Glos: München hat Bedenken gegen OOXML-Standardisierung Bild vergrößern 891 823 http://img2.magnus.de/openxml-r891x823-C-1ba75a08-5405068.jpg
Oberbürgermeister Ude wendet sich an Wirtschaftsminister Glos

München hat Bedenken gegen OOXML-Standardisierung

Auch wenn der derzeitige Stand der Standardisierung von Microsofts Dateiformat Office Open XML (OOXML) nicht so richtig klar ist, hat die Stadt München Bedenken geäußert und das Deutsche Institut für Normung (DIN) aufgefordert, bei der ISO gegen einen Standard zu stimmen.

Dafür schrieb Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) einen Brief an den Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, Michael Glos (CSU), der auch in der aktuellen Münchner Rathausumschau veröffentlicht wurde (PDF). Ude fürchtet, dass ein weiterer Dokumentenstandard - zusätzlich zum von der ISO standardisierten OpenDocument Format (ODF) - den Wettbewerb schwächen würde. "Das Projekt der Landeshauptstadt München, zunehmend freie Software einzusetzen, wird beeinträchtigt" und "die Interoperabilität und die Kommunikation zwischen Behörden untereinander und Behörden und Bürger wird wesentlich erschwert", schreibt Ude weiter. Er fordert das DIN daher auf, gegen die OOXML-Standardisierung zu stimmen.

ODF sei auch für den Wirtschaftsstandort München wichtig, da das "klar strukturierte und technisch leicht handhabbare" Format auch kleinen Unternehmen ermögliche, Zusatzprodukte und Dienstleistungen anzubieten, die früher nur große Unternehmen realisieren konnten. "Die geplante Standardisierung des Formates Office OpenXML würde die Einrichtung eines zweiten, konkurrierenden Standards zum Dokumentenaustausch neben dem bereits etablierten ODF bedeuten. Zwei konkurrierende Schnittstellen zu implementieren ist aufwändiger und teuerer, als nur einen Standard unterstützen zu müssen", heißt es weiter.

Dadurch, so Ude, würden vermutlich nicht alle Unternehmen beide Schnittstellen umsetzen, was in der Folge zu einem Wettbewerb zwischen den Standards, nicht aber zwischen Produkten führen würde. Zudem hätten "bedingt durch die komplexen technischen Umsetzungen, de facto nur sehr wenige, vor allem große Anbieter die Möglichkeit, Office Open XML vollständig zu implementieren". "Bitte berücksichtigen Sie deshalb bei Ihren Überlegungen und der deutschen Stellungnahme im Standardisierungsprozess auch unseren Standpunkt", schließt Ude seinen Brief ab, in dem er ferner seine Angst zum Ausdruck bringt, dass Münchens Umstellung auf Linux und Open Source verlangsamt werden könnte, wenn Speziallösunen zur Unterstützung von OOXML eingeführt werden müssten.

Bei der vor kurzem erfolgten ISO-Abstimmung in Genf kam es erneut zu keinem Ergebnis bei der Standardisierung von OOXML. Allerdings wollte der Sitzungvorsitzende die Abstimmungsregeln ändern, was zu Protesten der OOXML-Gegner führte. Ob das Format nun noch eine Chance auf die Standardisierung hat, scheint derzeit offen zu sein.

Microsoft hingegen ließ gerade verlauten, das eigene Dokumentenformat erfahre "immer mehr Unterstützung im Markt, sowohl von Seiten der Anwender als auch von Seiten der Software-entwickelnden Unternehmen". Gleichzeitig verspricht der Hersteller sein OOXML-SDK wie geplant fertig zu stellen. Dazu soll im April 2008 die erste Version des Open-XML-API veröffentlicht werden, bevor die zweite Version im Juli 2008 als Testversion erscheint. Die erweiterte finale Version soll gemeinsam mit der nächsten Office-Generation erscheinen.

Golem



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