
Pit Klein, mit Material der dpa
SchülerVZ-Skandal: Selbstmord von Verdächtigem nach Datenklau
Der 20-Jährige, der wegen Datenklaus beim Internet- Netzwerk SchülerVZ in Berlin in Untersuchungshaft war, hat Selbstmord begangen. Er wurde in seiner Zelle in der Jugendstrafanstalt Plötzensee tot gefunden.
Der aus Erlangen stammende Mann war vor zehn Tagen in Berlin wegen versuchter Erpressung festgenommen worden. Er soll persönliche Daten von mehr als einer Million Nutzern aus SchülerVZ kopiert und damit 80.000 Euro von den Betreibern erpresst haben. Der Datendiebstahl ereignete sich am vorvergangenen Freitag. Der mutmaßliche Täter hatte nach Angaben des Betreibers mittels eines selbstgeschriebenen Crawlers - einer Software, die selbstständig Datensätze sammelt - bei schülerVZ die Profile abgeholt. Der Vorgang wurde in einem Video bei YouTube festgehalten (siehe unten links).
Daten von StudiVZ- und MeinVZ-Teilnehmern gesammelt
Der 20-Jährige hatte den Ermittlungen zufolge auch Daten von StudiVZ- und MeinVZ-Teilnehmern gesammelt, aber noch nicht veröffentlicht. Bei einem Treffen mit Vertretern der VZ-Netzwerke forderte er Geld. Daraufhin riefen die SchülerVZ-Betreiber die Polizei.
Etwa 1,6 Millionen Datensätze waren dem Blog Netzpolitik.org zugespielt worden, stammten aber nach Angaben der Polizei nicht selber von dem jungen Mann. Eine weitere Person habe damit auf die Sicherheitslücke aufmerksam machen wollen, hieß es. Unklar ist, ob diese Person über eine Hacker-Plattform Zugriff auf die Daten des 20-Jährigen hatte oder selbst "recherchierte".
SchülerVZ-Crawler
Datenskandal zieht weitere Kreise
In dieser Woche war bereits bekannt geworden, dass die Datenpanne weit größer ist als angenommen: Aus den Profilen der Nutzer konnten nicht nur öffentliche, sondern auch private Daten "massenweise" gelesen werden. Die Betreiber von SchülerVZ hatten das bislang bestritten. Etwa 100.000 Datensätze wurden dem Bundesverband der Verbraucherzentralen zugespielt. Der fragliche Datenbestand mit Geburtstag und Geschlechtsangabe sei älter, die Sicherheitslücke sei bereits Ende Juli geschlossen worden, teilte die Betreibergesellschaft mit (wir berichteten).
Die VZ-Netzwerke betreiben neben SchülerVZ auch StudiVZ und MeinVZ. Sie sollen insgesamt rund 15 Millionen Mitglieder haben. Das Unternehmen wurde ursprünglich als studiVZ Ltd. im Oktober 2005 gegründet und gehört seit Januar 2007 zur Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck. Chef ist Markus Berger-de León.
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