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8. Februar 2012
Hintergrund: Deutsche Online-Netzwerke: Im langen Schatten von Facebook Bild vergrößern 783 462 http://img1.magnus.de/StudiVZ-r783x462-C-86dc10e8-52174279.jpg © StudiVZ
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Hintergrund

Deutsche Online-Netzwerke: Im langen Schatten von Facebook

Alle reden über Facebook - aber was ist eigentlich mit StudiVZ oder Wer-kennt-wen? Die deutschen Online-Netzwerke suchen sich Nischen, um gegen den schier übermächtigen Konkurrenten zu bestehen. Ihre Zukunft ist allerdings ungewiss.

Facebook, Facebook, immer wieder Facebook: Das Online-Netzwerk von Mark Zuckerberg macht seit Monaten Schlagzeilen ohne Ende. Um die deutschen Konkurrenten der Plattform ist es dagegen still geworden. Das liegt nicht nur an dem nahenden Mega-Börsengang des großen Rivalen. StudiVZ (Bild oben), Wer-kennt-wen und Lokalisten laufen die Nutzer davon. Eine Umkehr dieses Trends ist nicht abzusehen, zumal mit Google+ ein weiterer Spieler um die Aufmerksamkeit der Nutzer rangelt.

VZ-Netzwerke

Besonders hart trifft es die VZ-Netzwerke. Die Reichweite von StudiVZ, SchülerVZ und FreundeVZ ist binnen eines Jahres dramatisch gesunken, im Dezember verzeichnete das Trio nur noch 77 Millionen Seitenaufrufe (Visits), ein Minus von fast 80 Prozent.

StudiVZ und SchülerVZ hatten die Online-Netzwerke in Deutschland beliebt gemacht, waren über Jahre die Nummer 1. Doch mit dem hohen Innovationstempo von Facebook kam das deutlich kleinere Team nicht mit - und auch der Verweis auf den guten Datenschutz zog bei den Nutzern nicht. So fand sich die Holtzbrinck-Tochter damit ab, nur ein Nischenanbieter zu sein: "Wir glauben nicht, dass die Nutzer von Facebook zurückkommen. Wir müssen uns auf die konzentrieren, die noch da sind", sagte der damalige VZ-Chef Clemens Riedl im September bei einem Interview mit dem Blog "Basic Thinking".

Das Unternehmen versucht seitdem einen Neustart - mit einem überarbeiteten Design und Zusatzfunktionen wie einem Gruppenchat. Die Nutzer - laut AGOF waren von den 16 Millionen registrierten im Oktober 5,9 Millionen aktiv - können sich über ein Bewertungssystem und Feedback-Optionen zu Wort melden. Im zweiten Quartal soll der Umbau abgeschlossen sein. Neben der Umgestaltung werde derzeit eine strategische Neuausrichtung "intensiv geplant", erklärt das Unternehmen auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Dabei gehe es vor allem darum, "neue Zielgruppen zu erreichen". Wo genau diese Nische sein soll, ist also noch offen. Immerhin: Die VZ-Netzwerke arbeiten nach eigenen Angaben an der Gewinnschwelle.

Wer-kennt-wen

Im langen Schatten des Marktführers steht auch Wer-kennt-wen (WKW), das sich wie die VZ-Netzwerke als Freundschaftsplattform für Privatnutzer sieht. Die Zahl der Seitenaufrufe hat sich in einem Jahr halbiert, im Dezember waren es nur noch 76 Millionen. 5,1 Millionen Nutzer waren laut der derzeit aktuellen AGOF-Statistik vom Oktober 2011 aktiv. Die Abwanderung vieler Nutzer zu Facebook sei nicht einfach zu verkraften, sagt eine Sprecherin der RTL-Tochter - immerhin sei man aber im Vergleich zu anderen deutschen Netzwerken relativ stabil.

WKW gilt als Netzwerk der Normalos, dessen Mitglieder im Schnitt älter und weniger online-affin sind als Facebook-Nutzer. Besonders beliebt ist es im Südwesten der Republik - die Gründer studierten in Koblenz. In dieser Nische möchte sich das Unternehmen festsetzen: "Wir wollen regionale und lokale Angebote rund um den Alltag bieten", sagt Sprecherin Kathleen Voigt - "verständlich und intuitiv" soll die Plattform vor allem sein. Als "Netzwerk der Landeier" verspöttelte es deswegen Olaf Kolbrück von der Marketing-Fachzeitschrift "Horizont".

Xing

Auch Xing setzt auf eine Nische, schon seit seiner Gründung im Jahr 2003: Das Netzwerk will, anders als Facebook, berufliche Kontakte vermitteln. Eine Konkurrenz durch den US-Riesen sieht das Unternehmen daher nicht - die droht eher schon von LinkedIn, das im Mai 2011 an die Börse ging und seit einigen Monaten den deutschen Markt ins Visier nimmt. Der Rückstand auf Xing ist allerdings noch gewaltig.

Die Reichweite von Xing sank laut IVW von 23 auf 20 Millionen Zugriffe im Dezember 2011. Allerdings seien in dieser Zahl nicht die Handynutzer eingeschlossen, erklärt Xing - mittlerweile erfolge jeder fünfte Aufruf von einem mobilen Gerät. So oder so ist das Geschäft profitabel: Das börsennotierte Unternehmen steigerte den Umsatz im dritten Quartal 2011 auf 16,6 Millionen Euro, den Nettogewinn auf 2,6 Millionen Euro. Das ist zwar weit weg von den Milliarden Dollar, die Facebook 2011 unterm Strich verdient hat, aber für Xing eine gute Zahl. Auch in der Nische lässt sich Geld verdienen.



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