Bild vergrößern
578
298
http://img2.magnus.de/Macrofotografie-r578x298-C-985d4ec4-5259147.jpg
Faszinierende Nahaufnahmen
Foto-Tipps für Makroaufnahmen
Makroaufnahmen sind für viele Fotografen die Königsdisziplin. Mit den richtigen Kniffen gelingen Ihnen selbst mit einfacher Ausrüstung beeindruckende Aufnahmen. Profifotograf Josef Bleier zeigt Ihnen, wie es geht.
Für einfache Nahaufnahmen braucht man noch keine Spezialobjektive, Makroaufnahmen beginnen schon bei einem Abbildungsmaßstab von etwa 1:10. In diesem Bereich kann man mit Normalobjektiven fotografieren, für den Bereich um 1:2 und 1:1 benötigt man schon spezielle Makroobjektive. Für den Bereich bis 10:1 sind zusätzliche Hilfsmittel wie Nahlinsen, Zwischenringe oder ein Balgengerät nötig. Für Aufnahmen mit einer noch größeren Abbildung benötigt man ein Mikroskop.
Bild vergrößern
711
139
http://img3.magnus.de/Makroaufnahmen-r711x139-C-b9619c3a-5259209.jpg
Nahaufnahmen mit Maßstab zwischen 1:10 (Normalobjektiv) und 1:1 (Makroobjektiv).
Nahaufnahmen mit Maßstab zwischen 1:10 (Normalobjektiv) und 1:1 (Makroobjektiv).
Wichtig für Makroaufnahmen ist, dass das Objektiv eine geringe Naheinstellungsgrenze hat. Mit Normalobjektiven kann man etwa 50 cm an das Motiv herangehen, mit Weitwinkelobjektiven noch etwas näher, hier beträgt die Nahgrenze zirka 30 cm. Moderne digitale Spiegelreflexkameras werden häufig mit Standardzoomobjektiven der Brennweite 18-55 mm gekauft. Diese Objektive haben ebenfalls eine gering Nahgrenze. Das Nikon 18-55, 1:3,5-5,6G ED II besitzt zum Beispiel über den ganzen Brennweitenbereich eine kürzeste Entfernung von 28 mm. Damit kann man schon recht passable Makroaufnahmen machen.
Bild vergrößern
704
238
http://img1.magnus.de/Makroaufnahmen-r704x238-C-d2b0a28f-5259213.jpg
Gestreckt: Links die Aufnahme mit einem 50-mm-Normalobjektiv, rechts mit drei Zwischenringen, die den Abstand um 60 mm erhöhen.
Gestreckt: Links die Aufnahme mit einem 50-mm-Normalobjektiv, rechts mit drei Zwischenringen, die den Abstand um 60 mm erhöhen.
Ebenfalls gut geeignet sind so genannte Urlaubs- oder Universalzoomobjektive, die einen Brennweitenbereich von 18 bis 200 mm umfassen. Mit diesen Objektiven kann man etwa 50 cm an das Motiv herangehen, aber der erweiterte Brennweitenbereich erlaubt eine bessere Vergrößerung des Aufnahmegegenstands. Diese Objektive werden in letzter Zeit immer beliebter, da sie relativ kompakt in der Bauweise und dadurch leicht sind und man nahezu allen fotografischen Herausforderungen gewachsen ist. Auf Urlaubsreisen genügt ein Objektiv, um Landschaften, Portraits oder auch Makroaufnahmen zu fotografieren.
Bild vergrößern
225
197
http://img2.magnus.de/Sony-DSC828-r225x197-C-52683e45-5259217.jpg
Die Sony DSC F828 erlaubt Nahaufnahmen im Weitwinkelbereich bis 2 cm vor dem Objektiv.
Die Sony DSC F828 erlaubt Nahaufnahmen im Weitwinkelbereich bis 2 cm vor dem Objektiv.
Am einfachsten: Nahlinsen
Wer näher an ein Motiv heran will, muss aber nicht gleich ein teures Makroobjektiv erwerben. Es gibt im Fotohandel spezielles Zubehör für Nahaufnahmen. Die preisgünstigste und einfachste Lösung sind Nahlinsen, die vor das Objektiv geschraubt oder auch gesteckt werden können. Mit Hilfe dieser Linsen wird die Naheinstellgrenze verkleinert und man kann somit näher an das Motiv herangehen. Sie schlucken kein Licht, die Belichtung muss also nicht korrigiert werden. Ich habe drei Linsen der Stärke 1,2 und 3 immer in der Kameratasche dabei. Sie nehmen nicht viel Platz weg und können auch miteinander kombiniert werden. Bei der Kombination verschiedener Linsen wird aber die Abbildungsqualität gemindert. Um Randunschärfen zu vermeiden, sollte man die Aufnahme nicht mit offener Blende machen, sondern eine Blende von 5.6, 8, oder 11 einstellen. Hat man mehrere Objektive mit verschiedenen Filterdurchmessern, braucht man nicht für jedes Objektiv Nahlinsen, sondern man kauft die Linsen für den größten Objektivdurchmesser, auf die kleineren Objektive kann man sie dann mit günstigen Zwischenringen anpassen.
Bild vergrößern
427
371
http://img2.magnus.de/Makroaufnahmen-r427x371-C-aab580d2-5259221.jpg
Zubehör: Mit Nahlinsen, Zwischenringen, Balgengerät und Makroobjektiven kommt man an Motive nah heran.
Zubehör: Mit Nahlinsen, Zwischenringen, Balgengerät und Makroobjektiven kommt man an Motive nah heran.
Bei Nahlinsen gibt es zwei Ausführungen: Die normalen, günstigen Ringe sind nicht optisch korrigiert, so dass sie die Bildqualität mindern. Besonders auffällig ist hier der Abfall der Schärfe zum Rand hin. Es gibt aber auch zweilinsige Vorsatzlinsen, so genannte Achromate, die eine wesentlich bessere Bildqualität bieten, aber auch das Drei- bis Vierfache kosten.
Mehr Abstand: Zwischenringe
Eine andere relativ preisgünstige Alternative zum Makroobjektiv sind Zwischenringe. Diese werden zwischen Gehäuse und Objektiv geschraubt und bewirken eine größere Entfernung von Objektiv und Sensorebene. Somit wird die Naheinstellgrenze verringert und der Fotograf kann näher an das Motiv herankommen, um eine vergrößerte Abbildung zu erhalten. Zwischenringe werden oft in einem handelsüblichen Dreierset, mir einem 10-, 20- und einem 30-mm-Ring geliefert. Diese Ringe lassen sich auch miteinander kombinieren. Mit allen drei Ringen und einem Normalobjektiv von 50 mm erzielt man ungefähr eine Abbildung von 1:1. Zwischenringe enthalten kein optisches System, sie sind Metallringe, die innen hohl sind. Dadurch wird die Bildqualität nicht gemindert. Automatikzwischenringe übertragen die Blende- und Autofokuseinstellungen der Kamera ans Objektiv, somit sind sämtliche Automatikfunktionen der Kamera nutzbar.
Bild vergrößern
221
318
http://img3.magnus.de/Ringblitze-r221x318-C-fb7ad3c7-5259225.jpg
Kreisrund: Ringblitze werden gern in der Wissenschaft und Medizin für Makroaufnahmen benutzt.
Kreisrund: Ringblitze werden gern in der Wissenschaft und Medizin für Makroaufnahmen benutzt.
Der wesentliche Nachteil der Zwischenringe ist der Lichtverlust durch die Verlängerung des Abstandes des Objektivs zum Sensorchip. Die TTL-Messung der Kamera kommt damit zwar problemlos zurecht, das Bild wird nicht unterbelichtet, aber der Fotograf muss drauf achten dass die Belichtungszeit nicht zu lange wird und die Aufnahme verwackelt. In solchen Fällen ist das Aufstützen der Kamera oder ein stabiles Stativ sehr nützlich.
Mehr Dynamik: Balgengerät
Das optische Prinzip ist bei Balgengeräten identisch mit den Zwischenringen: Der Abstand zwischen Objektiv und Einstellebene der Kamera wird verlängert. Der Vorteil des Geräts ist der flexible, lichtundurchlässige Leder- oder Kunstoffbalgen, der eine stufenlose Auszugsverlängerung ermöglicht. Während man bei den Zwischenringen immer ausprobieren muss, welche Ringe oder welche Kombinationen gerade die geeigneten für die Aufnahme sind, lässt sich das Balgengerät stufenlos auf die richtige Größe einstellen. Allerdings schlägt sich das auch im Preis nieder. Einen automatischen Zwischenringsatz erhält man für etwa 150 Euro, für ein automatisches Balgengerät muss man schon zirka 600 Euro ausgeben. Balgengeräte sind außerdem etwas unhandlich und deshalb meist nur in Verbindung mit einem Kamerastativ zu nutzen.
Königsklasse: Makroobjektive
Makroobjektive sind für Nahaufnahmen am besten geeignet. Sie sind speziell für geringe Aufnahmeabstände berechnet. Sie haben eine geringe Nahentfernungseinstellung und bieten im Nahbereich eine sehr gute Abbildungsqualität. Zudem sind sie sehr lichtstark und erlauben meist ohne weiteres Zubehör eine Abbildung bis zum Maßstab 1:1. Die Objektive kombinieren Sie zusätzlich noch mit Nahlinsen oder Zwischenringen, um noch größere Abbildungsmaßstäbe zu erreichen. Diese aufwändige Konstruktion fordert aber auch ihren Preis. Die Kosten solcher Objektive sind nicht unerheblich. Wer aber häufig Nahaufnahmen anfertigen möchte und vor allem in einer guten Qualität, kommt eigentlich um eine Anschaffung eines Makroobjektivs nicht herum.
Makroobjektive lassen sich in drei Gruppen einteilen:
- Objektive mit 50 bis 60 mm sind leicht und handlich, sie eignen sich besonders für Pflanzen oder andere Gegenstände, die unbeweglich auf ihrem Platz liegen. Will man Insekten oder andere kleine Tiere fotografieren, muss man sehr nah an sie herangehen, was meist in einer panikartigen Flucht der Tiere endet.
- Makroobjektive mit Brennweiten von 80 bis 100 mm sind die Allroundobjektive. Sie bieten ein großes Anwendungsspektrum und sind bedienerfreundlich. Bei einem 100-mm-Makroobjektiv liegt die Naheinstellgrenze etwa bei 30 cm, man unterschreitet also bei Kleintieren nicht die Fluchtdistanz.
- Die letzte Gruppe der Makroobjektive zwischen 150 und 200 mm sind eigentlich mehr für Spezialisten in der Tierfotografie geeignet. Man hat genügend Abstand zu den Tieren, dafür sind die Objektive groß und schwer.
Die Lichtfrage
Die meisten Makroaufnahmen werden sicher mit natürlichem Licht fotografiert. Das ist immer mehr oder minder vorhanden. Allerdings ändert das Licht im Laufe des Tages den Charakter. Während es morgens und abends einen rötlich, orange warmen Farbton aufweist, ist es mittags blau und kalt. Zudem ist das Mittagslicht sehr direkt und strahlt mit starker Intensität. Dadurch entsteht eine starke Schattenbildung. Aus diesen Gründen erscheinen Aufnahmen, die morgens oder abends entstanden sind, weicher und angenehmer. Allerdings wird durch die starke Rotfärbung auch das Motiv verfälscht und farblich nicht originalgetreu wiedergegeben. Das kann man zwar am PC korrigieren, aber besser sind bereits richtig aufgenommene Bilder.
Bild vergrößern
329
254
http://img4.magnus.de/Gegenlicht-r329x254-C-ce2bf046-5259229.jpg
Durchsicht: Das Gegenlicht lässt das Weinblatt leicht transparent erscheinen, so dass die Blattstruktur sichtbar wird.?
Durchsicht: Das Gegenlicht lässt das Weinblatt leicht transparent erscheinen, so dass die Blattstruktur sichtbar wird.?
Tipp: Das beste Licht für Makroaufnahmen hat man bei leicht bewölktem Himmel. Die Wolken mindern wie ein Weichzeichner oder ein großer Diffusor das starke Sonnenlicht. Das Licht wirft dadurch keine starken Schatten. Das Licht wird weicher, trotzdem bleibt die Lichtintensität relativ stark. Die Farben wirken natürlich. Das gleichmäßige Licht vermeidet auch zu starke Lichtkontraste.
Fotografiert man bei starkem Sonnenlicht, entstehen oft auch starke Lichtreflexe auf dem Motiv. Das lässt sich durch die Verwendung eines Diffusors leicht vermeiden. Ein Diffusor ist aus matten, lichtdurchlässigen Materialien, die das durchgelassene Licht in der Stärke mindern und es weicher machen. Geeignete Materialien sind z. B. Pergamentpapier, das zusammengrollt auch leicht zu transportieren ist, oder stabile Plexiglasplatten. Für Makroaufnahmen muss ein Diffusor nicht sehr groß sein, DIN-A4-Größe ist meist vollkommen ausreichend.
Im Gegenlicht
Gegenlicht ist eine der interessantesten Lichtstimmungen in der Fotografie. Gerade in der Makrofotografie können bemerkenswerte Aufnahmesituationen entstehen, wie die Aufnahme des roten Weinblatts zeigt. Das Gegenlicht lässt das Blatt durchscheinend werden, man erkennt die Blattrippen. Die Struktur des Blattes ist gut zu erkennen. Das Bild lebt von der Gegenlichtsituation. Um die Bildwirkung zu verstärken fotografierte ich die Aufnahme mit einem Nikon 2.8/80-200mm, einem Zwischenring 20 mm und der Blende 5,0. Durch die Einstellung auf 120 mm und der relativ offenen Blende erreichte ich eine gute Trennung des Motivs vom Hintergrund. Um das Bild noch interessanter zu gestalten, setzte ich das Blatt in die rechte untere Bildhälfte, verstärkt wird das ganze noch durch den Kontrast der Komplementärfarben Rot im Hauptmotiv und Grün im Hintergrund. Bei dieser Gegenlichtaufnahme arbeitete ich ausschließlich mit dem vorhandenen Gegenlicht. Belichtet habe ich mit Zeitautomatik und Spotmessung, um das Blatt richtig zu belichten.
Makroaufnahmen mit Weitwinkelobjektiven
Üblicherweise fotografiert man Makroaufnahmen mit Teleobjektiven, es gibt auch kein ausgesprochenes Weitwinkelmakroobjektiv. Weitwinkelobjektive haben von Haus aus eine geringe Naheinstellgrenze bei etwa 30 cm. Aber mit Nahlinsen oder Zwischenringen sind auch hier noch nähere Aufnahmen möglich. Eine Nahaufnahme mit einem Weitwinkel unterscheidet sich sehr stark von einer Teleaufnahme. Der Hintergrund ist wegen der großen Schärfentiefe des Weitwinkelobjektives nur leicht unscharf, Bäume, Wege und andere Elemente sind klar erkennbar. Dadurch trennt sich zum Beispiel eine Blüte nicht besonders gut vom Hintergrund. Das bedeutet dann jede Menge Nacharbeit am PC. In der Naturfotografie ist deshalb der Einsatz von weitwinkligen Objektiven für Makroaufnahmen eher selten.
Nahaufnahmen mit Kompaktkameras
Für Makroaufnahmen braucht man nicht zwangsweise eine teure Spiegelreflexkamera. Viele Kompaktkameras haben eine sehr geringe Naheinstellgrenze, so dass Sie mit ihnen relativ leicht Nahaufnahmen machen können. Ein Vorteil mancher Kompaktkameras ist ein drehbares oder hochklappbares Display. Damit gelingen Aufnahmen aus tiefem Standpunkt relativ leicht. Fotografiert man zum Beispiel eine Schnecke auf der Erde, muss man sich nicht auf den schmutzigen Boden legen, um das Tier vernünftig aufzunehmen.
Blitzlicht bei schwacher Beleuchtung
Sollte das vorhandene Licht nicht ausreichen, um die Aufnahme verwacklungsfrei zu fotografieren, kann auch der Blitz der Kamera zugeschaltet werden. Die Benutzung des eingebauten Blitzes der Kamera kann zu Problemen führen. Der aufklappbare Blitz ist sehr nah an der Kamera. Ist man mit dem Objektiv aber zu nah am Motiv, wirft der Blitz der Kamera den Schatten des Objektivs auf das Objekt. Besser sind hier externe, auf den Blitzschuh aufsteckbare Blitzgeräte. Bei manchen Geräten kann man den Blitzreflektor, speziell für Nahaufnahmen, um 20 Grad nach unten neigen, um den Nahbereich besser auszuleuchten.
Bild vergrößern
219
169
http://img2.magnus.de/Zwischenringe-r219x169-C-5b05a568-5259233.jpg
Runde Sache: Mit einem Ringblitz leuchten Sie Motive wie dieses Kameragehäuse schattenfrei aus.
Runde Sache: Mit einem Ringblitz leuchten Sie Motive wie dieses Kameragehäuse schattenfrei aus.
In Fotohandel gibt es auch Blitzkabel, mit denen man externe Blitze entfesselt von der Kamera zünden kann. Damit kann man den Blitz auf ein Stativ seitlich der Kamera positionieren, um das Motiv besser auszuleuchten.
Sehr gut für das Ausleuchten von Makroaufnahmen sind Ring- oder spezielle Makroblitze geeignet. Bei Ringblitzen hat die Blitzröhre eine runde Gestalt und wird auf den Filterring des Objektivs aufgeschraubt. Das ermöglicht eine schattenfreie gleichmäßige Ausleuchtung. Ringblitze sind bei wissenschaftlichen oder medizinischen Aufnahmen beliebt. Aber auch oft in der Mode- oder Beautyfotografie kommen sie zum Einsatz, um geschminkte Gesichter „knitterfrei“ auszuleuchten.
Makroblitzgeräte haben zwei getrennt von einander steuerbare Blitzgeräte, die rechts und links der optischen Achse befestigt werden. Dadurch kann man eine bessere Lichtführung bei der Aufnahme erreichen. Durch unterschiedliche Leistungen der Blitze erzielt man eine bessere Wiedergabe der Oberflächenstruktur und verbessert dadurch die räumliche Wirkung.