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Ulrich Klein

29. September 2009
Touchscreen ist erst der Anfang: Was ist und was wird: [Interview] Microsoft und die Zukunft der Nutzeroberflächen bei PCs Bild vergrößern 937 564 http://img3.magnus.de/Microsoft-Surface-r937x564-C-625b38b6-8250214.jpg
Touchscreen ist erst der Anfang: Was ist und was wird

[Interview] Microsoft und die Zukunft der Nutzeroberflächen bei PCs

In den letzten 30 Jahren hat sich die Nutzung kaum verändert. Mit der Etablierung von Touch-Screens auf Handys wurde der Beginn einer neuen Bedien-Generation von Computer-System eingeläutet. Microsoft hat mit Windows 7 berührungsempfindliche Steuerfunktionen in sein Betriebssystem eingebaut. Doch das ist erst der Anfang einer Reise in ein neues Bedienzeitalter, wie Microsoft-Evangelist Daniel Melanchthon im Interview mit magnus.de verraten hat.

Interview mit Microsoft-Technologieberater Daniel Melanchthon:

magnus.de: Weshalb ist es in der digitalen Welt so schwierig, Konzepte für eine direkte Interaktion zwischen Mensch und Arbeitsgerät herzustellen?

Daniel Melanchthon: "Die Schwierigkeiten sind vielfältig. Die Menschen haben eine hohe Anspruchshaltung an Kommunikation, was die Genauigkeit betrifft. So ist beispielsweise Sprachsteuerung ein ungeheuer komplexer Vorgang. Ein Computer versteht zum Beispiels keine Ironie und auch Dolmetsch- und Übersetzungs-Systeme ersetzen noch lange keinen Menschen.

Zuerst haben Tatstatur und Bildschirm die Lochkarte abgelöst. Danach kam die Maus, da sich Oberflächen mit einer Tastatur nur schwer bedienen ließen. Als Folge entwickelte man Drop-Down-Menüs, der Beginn Programme mit der Maus bedienbar zu machen. Man kann dies als Evolution betrachten. Jetzt stehen wir an der Schwelle für den nächsten Schritt. In der Industrie haben sich berührungsempfindliche Tablet-PCs bereits gut durchgesetzt, beispielsweise um Checklisten schnell abzuarbeiten. Für die Interaktion mit PC war diese Technik allerdings noch nicht gut genug, weil die Reaktionsgeschwindigkeit dahinter limitiert war und es teuer war, große berührungsempfindliche Displays herzustellen. Deshalb die Konzentration auf die Maus, die ein sehr präzises Instrument darstellt. Ein Hardcore-Spieler wird nie zu einer kabellosen Maus greifen, da deren Reaktionszeiten geringer sind als bei Kabelmäusen. Hardcore-Spieler nutzen im Gegensatz zu anderen Gruppen gleichzeitig Maus und Tastatur für die Bedienung von Spielen.

Daniel Melanchthon
Bild vergrößern 827 1181 http://img4.magnus.de/Daniel-Melanchthon-r827x1181-C-7c84d669-8250277.jpg Daniel Melanchthon ist Technologieberater bei Microsoft.

Daniel Melanchthon ist Technologieberater bei Microsoft.

In Windows 7 haben wir die Multitouch-Fähigkeit bereits eingebaut. Das holt dieses Bedienkonzept aus seinem Inseldasein. Bisher haben Hersteller solcher Lösungen entschieden, welche Hardware zum Einsatz kommt, mussten eigene Treiber schreiben und Schnittstellen definieren. Das Ergebnis: Nur diese eine Lösung funktionierte. Unser Ziel ist es, eine Plattform zu bieten, die eine gemeinsame Schnittstelle zur Verfügung stellt, auf die sich alle verlassen können.

Unsere Schnittstellen basieren auf APIs. Diese gibt Microsoft Entwicklern zur Hand. Ein Konzept, dass auch für die Eingabe gilt. Der Nutzer soll jede Maus einstecken können und sich darauf verlassen dürfen, dass sie sofort funktioniert. Anwendungs-Entwickler müssen sich keine Gedanken mehr darum machen, auf welcher Hardware ihre Lösungen zum Einsatz kommen sondern können sich auf die Multitouch-Steuerung konzentrieren. Für Hardwarehersteller sind die definierten Schnittstellen interessant, weil sie genau wissen, welche Anforderungen ihre Geräte erfüllen müssen.

Microsoft Surface Demo CES 2008

Derzeit sind zwei technische Lösungen im Einsatz. Die so genannte NTRIG-Technik der Firma Touch Screens, die beispielsweise berührungsempfindliche Displays für Hewlett Packard herstellt. Deren Lösung setzt auf eine kapazitive Erkennungstechnik. Das System merkt sich, welche Punkte der Anwender berührt hat. Für größere Bildschirme gibt es den australischen Hersteller NextWindow, der ein anderes Konzept verfolgt. Über das Display wird eine Glasplatte gelegt, die beleuchtet wird und bei der eine eingebaute Kamera aufnimmt, welche Stellen berührt werden und ebenso Multitouch erlaubt.

Microsoft und die Nutzeroberfläche
Bild vergrößern 937 528 http://img2.magnus.de/Microsoft-und-die-Nutzeroberfl-che-r937x527-C-e6fbf2b8-8250281.jpg

Das ist natürlich erst der erste Schritt. Ich persönlich glaube nicht, dass es langfristig bei Multitouch bleiben wird. Windows 7 erlaubt auch schon das Schreiben mit einem Stift auf einem Multitouch-Display so wie es der Mensch mit Papier gewohnt ist. Selbst mathematische Formeln können Anwender auf den Bildschirm schreiben und der Computer erkennt dies. Warum wir bisher Maus und Tastatur nutzen ist zwei großen Gründen geschuldet: Zum ersten ist der Mensch ein Gewohnheitstier und an dieses Bedienkonzept gewöhnt. Der zweite Grund waren die technischen Beschränkungen, die gerade dabei sind aufgehoben zu werden. Gefordert sind Out of the Box-Lösungen, denn der Mensch will eine Maschine nicht anlernen. Deshalb ist es auch ein großer Aufwand Spracherkennung in Computersysteme zu integrieren."

Microsoft "The Vision" zur Bedienung der Zukunft

Lesen Sie auf der nächsten Seite, welche Evolutionsschritte Microsoft Technologieberater Daniel Melanchthon hinsichtlich der Mensch-Maschinen-Bedienung erwartet...




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