Bild vergrößern
937
411
http://img4.magnus.de/Limit-Hold-em-r937x410-C-3eed5815-7434526.jpg
Die richtige Strategie wählen
Limit Hold'em - Das Spiel nach dem Flop
Nachdem wir uns in den vorangegangenen Artikeln ausgiebig mit Themen wie Bankrollmanagement, Tisch- und Gegnerauswahl, Outs & Odds sowie intensiv mit den Starthänden und dem Spielen vor dem Flop beim Limit Texas Hold'em beschäftigt haben, kümmern wir uns heute um das Spiel und die korrekte Strategie nach dem Flop und die dabei auftretenden Konstellationen.
Von Freunden und Bekannten werde ich zu diesem Thema immer wieder mit folgenden oder auch ähnlichen Anfragen konfrontiert:
"Ich habe ein Paar Buben in der Tasche und im "Flop erscheint ein König. Soll ich da anspielen oder zunächst checken und abwarten, was passiert?"
Oder…
"Wir sehen zu 5 Spielern den Flop, ich sitze im Big Blind und floppe einen Flush Draw. Soll ich hier setzen oder zunächst abwarten, wie sich die Aktion entwickelt?"
Wenn ich diese Fragen gestellt bekomme, dann merke ich meinen Gesprächspartnern oft an, dass sie klare Anweisungen und Regeln von mir erwarten (am besten für jede mögliche auftretende Konstellation). Am liebsten würden sie die Vorgehensweise für jedes mögliche Szenario auswendig lernen und in Zukunft dann strikt anwenden können. Meist sind sie dann enttäuscht, wenn ich sie zunächst mit ein paar Gegenfragen konfrontiere. Ist vor dem Flop geraised worden? Wie viele Spieler sind im Pot? In welcher Position hast du gesessen?
Wenn ich diese Informationen von ihnen erhalte, dann kann ich in fast allen Fällen eine korrekte Vorgehensweise mitteilen, aber ohne diese Infos ist es oftmals recht schwer, eine klare und allgemeingültige Antwort zu geben. Der Schlüssel für Erfolg beim Pokerspiel ist nun einmal das Sammeln von Informationen. Ohne diese Informationen ist es mehr oder weniger ein Blindflug oder ein Ratespiel und kann sich dann letztendlich auch schnell zu einem reinen Glücksspiel entwickeln.
Jeder erfahrene Pokerspieler weiß, dass der Glücksfaktor beim Pokern zwar natürlich vorhanden ist, aber mit zunehmender Spieldauer immer weiter abnimmt und einzig und allein die strategische Komponente mittel- und langfristig den Ausschlag für den Erfolg bzw. den Misserfolg geben wird. Welche Informationen sollten wir also sammeln und was ist bei den zu treffenden Entscheidungen in jedem Fall mit zu berücksichtigen?
1. In welcher Position sitze ich?
Wohl das wichtigste Kriterium beim Limit Hold'em. Je weiter ich vom Dealer-Button entfernt sitze (es kommt auf die Sichtweise an – gemeint ist, je weiter wir in hinterer Position sitzen), desto besser, denn ich erhalte während der Setzrunden mehr Informationen über die Blattstärke der Gegner.
Sitze ich z.B. im Big Blind und halte eine Hand wie KJ und der Flop kommt KT9, dann ist dies für mich ein exzellenter Flop. Top-Paar, guter Kicker und zudem noch ein Inside Straight-Draw. Ich werde in jedem Fall ansetzen oder aufgrund der Stärke des Blattes sogar einen Check-Raise in Erwägung ziehen. Wenn ich ansetze, hinter mir jedoch auf einmal die absolute Raise-Orgie ausbricht, und die Wettrunde bereits gecapped ist, wenn es wieder zurück zu mir gekommen ist, dann kann ich mir zu 100% sicher sein, dass meine Hand derzeit geschlagen ist und ich muss hier passen.
Sitze ich jedoch mit der gleichen Hand am Dealer-Button und vor mir beginnt bereits die Setzund Raise-Orgie, dann kann ich meine Hand hier getrost folden, ohne einen einzigen Bet investiert zu haben. Zudem kann ich in hinterer Position einige Pötte gewinnen (stehlen), in denen keiner meiner Gegner, die ja immer vor mir agieren müssen, Stärke bzw. Interesse am Pott zeigt. Alle checken zu mir und mit meinem Bet, obwohl ich selbst auch nichts getroffen habe, kann ich den Pot kampflos einstreichen. In einem meiner vorherigen Artikel habe ich behauptet, dass eine korrekte Starthandauswahl bereits die halbe Miete zum Sieg ist. Ein korrekt vorgeführtes Positionsspiel vor und nach dem Flop bzw. am Turn/River bringt mindestens nochmals weitere 30% ein!