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DSL-Turbo nicht überall
Schneller surfen auf dem Land - Breitband-Alternativen zum DSL-Tarif
Im "Breitbandatlas" des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie ist Deutschland mit vielen grünen, gelben, orangen und roten Punkten gesprenkelt. Dazwischen, vor allem im Osten und in der Mitte, ist die Karte weiß. In einem dieser weißen Flecken lebte Hartmut Gaul - bis er die Bürgerinitiative "DSL für Lohra" gründete und sich selbst um einen Breitbandanschluss kümmerte.
Im "Breitbandatlas" des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie ist Deutschland mit vielen grünen, gelben, orangen und roten Punkten gesprenkelt. Dazwischen, vor allem im Osten und in der Mitte, ist die Karte weiß. In einem dieser weißen Flecken lebte Hartmut Gaul - bis er die Bürgerinitiative "DSL für Lohra" gründete und sich selbst um einen Breitbandanschluss kümmerte.
Seit drei Jahren können die Bewohner von Lohra bei Marburg mit mindestens 1 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) im Internet surfen. Der Schlüssel dazu sei eine Unterschriftenliste gewesen, sagt Gaul: "Sie müssen sich zusammenschließen und Interessenten sammeln." Denn jeder potenzielle Investor fordere zuerst eine Sicherheit dafür, dass sich das Engagement auch lohnt. Genau das bezweifelt die Telekom in vielen Orten. Knapp 410.000 Haushalte haben laut Breitbandatlas noch immer keinen Internet-Anschluss mit einer Geschwindigkeit von mindestens 1 Mbit/S. Betroffen sind vor allem kleine, ländliche Gemeinden.
Auch die Bewohner von Lohra mussten sich zuvor mit höchstens 384 KBit/s begnügen. Darunter litten laut Gaul vor allem die Unternehmen. Dennoch tat sich die Bürgerinitiative zunächst nicht leicht, genug Unterschriften von Interessenten zu erhalten. Die Stadtwerke Marburg forderten 300 Verträge als Sicherheit für ihre Investition. Erst dann bauten sie den 30 Meter hohen Sendemast, der Wireless-DSL in die verstreuten zehn Ortsteile unter ihm sendet.
Internet per Funk - Technik und Kosten
Funk-Techniken wie Wimax seien für abgelegene Orte im Grunde die einzig sinnvolle Lösung, sagt Andreas Dreßler aus Jühnsdorf (Brandenburg). Er betreibt das Vermittlungsportal kein-dsl.de. "Wo die Telekom sich weigert, springen kleine Funkanbieter ein." Manche Anbieter erklärten sich bereits bei zehn Interessenten bereit, die notwendige Infrastruktur zu schaffen - allerdings meist mit staatlichen Zuschüssen. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) in Berlin listet auf der Internet-Seite zukunft-breitband.de sechs Fördertöpfe auf. Wenn sich Bürgerinitiativen darum bewerben, werden aus einem davon eigentlich immer Fördergelder bewilligt, sagt Dreßler.
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Die Kosten für Funk-Internet sind überschaubar. 20 bis 50 Euro müssen die Kunden laut Dreßler pro Monat bezahlen. Dazu kommen rund 100 Euro Einstiegsgebühr für Hardware und Installation. Die meisten Alternativtechniken sind teurer.
Surfen per Satellit ist überall möglich
Über Satellitenempfang ist Breitband-Internet schon heute flächendeckend in Deutschland verfügbar. Es ist im Gegensatz zu DSL etwas langsamer und auch teurer. Für den Empfang benötigen Nutzer einen Sat-Spiegel mit mindestens 60 Zentimetern Durchmesser, besser 80 Zentimeter wegen der Schlechtwetter-Reserven. Außerdem muss ein sendefähiges LNB angebracht werden, um Zwei-Wege-Kommunikation sicherzustellen. Auch ein Satellitenmodem, das Äquivalent zum DSL-Modem muss her. Für diese Geräte müssen Nutzer zwischen 200 und 300 Euro aufwärts investieren. Teilweise ist die Hardware in den Tarifen aber bereits enthalten. Die monatlichen Gebühren liegen je nach Geschwindigkeit zwischen 20 Euro und 80 Euro.
Weit ärgerlicher als die hohen Kosten sei die lahme Datenübertragung, urteilt Dreßler. Grund sei die sogenannte Fair-Use-Policy: Lädt ein Nutzer viel herunter, werde seine Geschwindigkeit gedrosselt - de facto oft auf ISDN-Geschwindigkeit. Im Laufe des kommenden Jahres sollen nach Angaben des BMWi und der Betreiber wie SES Astra und Eutelsat neuartige Satelliten durch gebündelte Signale bis zu 10 MBit/s ermöglichen. Und deutlich günstiger soll es auch bald werden. Derzeit ist das drahtlose Vergnügen für Spieler ein Spielverderber: Durch extrem hohe Latenz- und Ping-Zeiten eignet sich Satelliten-Internet nicht für Zocker.
HSDPA - Mobilfunktechnik als DSL-Ersatz
Ein DSL-Ersatz könnte auch der High Speed Downlink Packet Access (HSDPA) sein. Die Übertragungstechnik basiert auf dem Mobilfunkstandard UMTS. Für HSDPA spricht seine große Verbreitung. Einige weiße Flecken werden dadurch tatsächlich abgedeckt. Die Signale werden über normale Mobilfunkmasten übertragen und könnten durch Richtantennen verstärkt werden.
Auch die Kosten sind mit anderen Funk-Techniken vergleichbar. Allerdings teilten sich die Nutzer in einer Gegend wie beim Satellitenempfang eine Funkzelle. Gehen viele gleichzeitig online, sinkt die Geschwindigkeit.
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Breitbandstrategien und Ausblick für Lohra
"Bis spätestens Ende 2010 sollen flächendeckend leistungsfähige Breitbandanschlüsse verfügbar sein", heißt es in der Breitbandstrategie der Bundesregierung. Mit dem schnellen Internet sollen Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätze kommen. In Lohra lässt sich schon jetzt besichtigen, was eine zeitgemäße Internetverbindung verändert. Im Gewerbegebiet hätten sich seitdem drei größere Firmen angesiedelt, erzählt Gaul. Und die Bürgerinitiative schreibt nun an einem Lohra-Wiki, einer Enzyklopädie zur Gemeinde. Bald will sich daran auch der Senioren-PC-Kurs beteiligen, der sich vor kurzem gründete. In dem früheren weißen Fleck tut sich was. (Florian Sanktjohanser)
Ähnlich finster wie bis vor kurzem in Lohra sieht es auch anderswo in der Reubik aus: Erst am Mittwoch hatte der bayerische Gemeindetag kritisiert, dass sich derzeit gleich 500 Kommunen vergeblich um einen Anschluss ans Glasfaserkabel-Netz bemühen ([int:article,105401]wir berichteten[/int]).