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Kino-Kritik: Madagascar 2
teleschau - der mediendienst
"Madagascar 2" stellt mit mehr Tiefgang, mehr Witz und perfektionierter Animation das Auftaktabenteuer des New Yorker Zootier-Quartetts in den Schatten.
Was fasziniert den Kinogänger mehr: Das Tier im Mensch oder der Mensch im Tier? Für Komiker Chris Rock ist die Frage entschieden: "Sprechende Tieren sind einfach nicht zu schlagen." Seit Disneys "Dschungelbuch" den Bewohnern des Urwalds eine Stimme gab, ist keine Tierart vor trickreicher Vermenschlichung sicher. Der Publikumserfolg des Animationsfilms "Madagascar" um vier New Yorker Zootiere, die es auf wundersame Weise aufs gleichnamige Inselreich verschlägt, wo sie Bequemlichkeiten und Massenpublikum gegen die Einsamkeit und Rohheit der Wildnis eintauschen müssen, zeigte zuletzt mit einem weltweiten Einspielergebnis von einer halben Milliarde US-Dollar, dass nicht nur Kinder in Standup-Komik vernarrt sind, die auf Pfoten daherkommt. Dieser Tage wird erneut ein Millionenpublikum erwartet, wenn die Fortsetzung des Trickabenteuers in die deutschen Kinos kommt. Und schon wird auf Hochtouren an Teil 3 gearbeitet.
Dass es sich nicht um einen Flop handeln wird, zeigen die hohen Besucherzahlen in den US-Lichtspielhäusern, wo der zweite Film mit dem eitlen Löwen Alex, dem flippigen Zebra Marty, der hypochondrisch und pessimistisch veranlagten Giraffe Melman und der divenhaften Nilpferddame Gloria schon seit Wochen auf den ersten Rängen der Kinocharts liegt. Die Produzenten vermieden es, sich auf den Witzreichtum des Vorgängers zu verlassen und die Geschichte uninspiriert weiterzudrehen.
Kino-Kritik: Madagascar 2
1 von 9Kino-Kritik: Madagascar 2
Mit einem reparierten Flugzeugwrack versuchen Alex und seine Freunde, Madagascar zu verlassen. (Quelle: 2008 DreamWorks Animation)
Es musste ein Ortswechsel her: Während sich die militärisch gedrillten Pinguine daran machen, ein abgestürztes Flugzeug wieder in einen betriebsbereiten Zustand zu bringen, verabschiedet sich das New Yorker Quartett von seinen Gastgebern, um aufzubrechen Richtung Heimat. Lemurenkönig Julien jedoch lässt sich nicht davon abhalten, mit seinem Privatsekretär mit an Bord zu kommen. Doch weit schafft es die hoffnungsfrohe Reisegruppe nicht: Der Pinguin-Charter stürzt mitten über der afrikanischen Steppe ab - und dort warten gleich zigtausende anderer Wildtiere, die es gar nicht leiden können, wenn affektierte Großstadtfremdlinge ihre darwinistische Ordnung durcheinanderbringen.
Noch glaubt Pinguin Skipper, das Flugzeug fest unter Kontrolle zu haben. (Quelle: 2008 DreamWorks Animation)
Die menschlichen Qualitäten der abgestürzten Delegation werden in diesem Umfeld nur noch deutlicher. Was sich zuvor auf die freundschaftliche Beziehung zwischen Alex und Marty beschränkte und seinen Witz durch die unterdrückten Raubtierinstinkte des Löwen gewann, wird nun auf die Spitze getrieben: Möchtegern-Superstar Alex trifft im Herzen Afrikas seine Eltern wieder, die er nicht mehr gesehen hat, seit er als Junglöwe von Wilderern aus dem Reservat verschleppt und nach New York verkauft wurde. Plötzlich muss sich der Schönling vor seinen Erzeugern beweisen und enttäuscht auf ganzer Linie, weil er dem brutalen Kampf mit einem muskelbepackten Artgenossen zur Aufnahme in die Raubtiergemeinde nicht gewachsen ist. Um seinen Sohn zu schützen, muss Alex' Vater seine Krone als König der Löwen an den durchtriebenen Makunga abgeben.
Damit nicht genug, wird auch an anderer Stelle tief geschürft: Während zwischen der unnahbaren Gloria und einem properen Artgenossen zarte romantische Bande geknüpft werden und Giraffe Melman hierüber bitteren Liebeskummer erleidet, kämpft Zebra Marty mit einer Identitätskrise, weil er mit einem Schlag vor Augen geführt bekommt, dass er weder das einzige drollige Zebra auf der Welt ist noch irgendwelche besonderen Fähigkeiten besitzt: Ihm steht eine buchstäbliche Armada von Doppelgängern gegenüber, die sich genauso bewegen, genauso sprechen und genauso mit Wasser aus der Nase spritzen können wie er. Doch schließlich finden die Freunde wieder zueinander, als das Wildparadies vom Wassermangel bedroht wird und die kreative Truppe zur Höchstform aufläuft - während die Pinguine eifrig an der Reparatur des Flugzeugs werkeln ...
Nicht nur auf Charakterebene überrascht die Fortsetzung mit mehr Tiefgang: Auch die Handlung an sich ist komplexer und noch unterhaltsamer als das Auftaktabenteuer. Neben der Vielzahl an Figuren, den unvorhersehbaren Einfällen und der Problematisierung von zahlreichen Bedrohungen des Tierlebens in der Savanne gibt es allerlei Referenzen an Filme wie "Findet Nemo", "Der Flug der Phoenix" und "Der König der Löwen". Auch gibt es pointierte Anleihen beim Reality-TV, wenn etwa Brücken geschlagen werden zu Shows wie "Survivor". Die deutschen Sprecher der Protagonisten, allen voran die Fantastischen Vier, die den mittlerweile zu Kult-Stars in den Kinderzimmern avancierten Pinguinen ihre Stimmen leihen, können sich hören lassen: Jan Josef Liefers als Löwe, Rick Kavanian als Zebra und Bastian Pastewka als Giraffe tragen erheblich zur unbeschwerten und humorvollen Unterhaltung bei.
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